Sie sind hier: Startseite » Aktuelles

Mögen Sie Tierversuche?

Ein Eichhörnchen, das tagelang mit Kondensmilch aufgezogen wurde und jeden Abend mit dem Finder auf dem Sofa kuscheln musste. Es starb direkt nach Ankunft bei uns.

NEIN??? ABER WARUM WOLLEN SIE DANN SELBER EINEN MACHEN?

„Ich würde es so gern mal selber versuchen“ - bei diesem Satz stellen sich jeder Aufzuchtstelle die Nackenhaare auf. Auch wir bekommen diesen Satz immer wieder zu hören!

Viele Menschen denken, dass ein so niedliches Wildtierbaby nur etwas Milch und Liebe braucht. Aber bei der Milch geht es schon los: es fängt bei der Wahl der richtigen Milch an und wann überhaupt mit dieser begonnen wird. Ein gerade gefundenes Tier bekommt weder Milch noch Honig-Salz-Wasser! Die Milch, kommt sie dann zum Einsatz, muss richtig abgemischt, im richtigen Tempo und in der richtigen Temperatur verfüttert werden.
Die Fütterungen müssen die richtigen Abstände haben, diese wiederum sind abhängig von Tierart, Alter und Zustand.

Wird sie zu kalt verfüttert, bekommen die Tiere Durchfall. Wird sie zu warm verfüttert, kommt es zu Verbrennungen. Wird sie zu schnell oder zu langsam gegeben, kann es zum lebensbedrohlichen und äußerst schmerzhaftem Blähbauch kommen. Verschlucken sich die Tiere, kann es sein, daß Milch in die Luftröhre gelangt - das Tier erstickt sofort oder es bekommt eine Lungenentzündung! Diese muss frühzeitig erkannt und behandelt werden, sonst stirbt das Tier ebenfalls.

Man muss den richtigen Zeitpunkt kennen, wann man die nächtlichen Fütterungen weglassen kann (ja, wir alle schieben Nachtschichten!) und auch, ab wann feste Nahrung angeboten werden darf. Auch die richtige Unterbringung und die richtige Unterbringungstemperatur sind überlebenswichtig! Tiere die zu kalt untergebracht sind, können die Nahrung nicht richtig verstoffwechseln - sind sie zu warm untergebracht, kommt es zur zu Flüssigkeitsverlusten und Austrocknung oder gar zu Überhitzung mit Todesfolge. In falschen Unterbringungen kommt es zu Verletzungen und/oder Dauerstress mit gesundheitlichen Folgen, hier kann auch die falsche Einrichtung der Unterbringung fatale Folgen haben, z.B. strangulieren an Bändern, hängenbleiben an Schlaufen etc.

Eine gute Ausstattung für eine fachgerechte Aufzucht erfordert aber nicht nur verschiedenste Unterbringungsmöglichkeiten und Milch, sondern noch etliches anderes Equipment sowie eine medizinische Basisausstattung.
Die Anschaffung ist z.T. sehr kostenintensiv, aber auch überlebensnotwendig. Bei mir zB. füllt es zwei Regale!

Jede erfahrene Aufzuchtstelle hat diese Grundausstattung. Und sie hat das Wissen und die Erfahrung, die dem Laien fehlen. So kann eine gute Pflegestelle schon frühzeitig erkennen, ob sie eine säugende Mutter in der Hand hält, deren Babys irgendwo warten; wann ein Tier Schmerzen hat, ihm übel ist, ob es ein gebrochenes Ärmchen oder Beinchen, eine Gehirnerschütterung oder doch einen Schädelbruch hat.

Sie kann sofort handeln, wenn der Zustand sich verschlechtert, denn sie hat die medizinische Ausstattung, um sofort eingreifen zu können - und auch, um prophylaktisch tätig zu werden, sollte das notwendig sein. Auch, welcher Tierarzt wildtierkundig ist, wissen zumeist nur die Pflegestellen. Es gibt Hygienestandards und Vorsorgestandards, die wir streng einhalten um die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten (!!!) zu verhindern.
Wer möchte schon durch die Darmparasiten eines Eichhörnchens selber Durchfall bekommen?

Das Ziel unseres Teams ist IMMER die Auswilderung! Dafür muss das handaufgezogene Tier sich vom Menschen „entfernen“ - darum kommen die Hörnchen in einer Gruppe von Eichhörnchen in eine Aussenvoliere,
wo sie nur noch zugefüttert werden und der Kontakt zum Menschen immer weiter reduziert wird. Die Voliere wird geöffnet, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist - und auch den kann nur jemand mit Wissen und Erfahrung einschätzen!

Obwohl wir alle auch Haustiere haben, vermeiden wir den Kontakt zwischen Haus- und Wildtier. Wir finden es nicht niedlich, wenn das Hörnchen mit Hund oder Katze kuschelt, denn diese artfremde Freundschaft kann dem Hörnchen draußen das Leben kosten. Wir möchten jeden Finder bitten, das Tier in kompetente und erfahrene Hände abzugeben! Auch wenn Sie sich in das knopfäugige Kuschelhörnchen verliebt haben, seine Überlebenschancen in unerfahrenen Händen sind sehr gering! Möchten Sie das Tier wirklich retten - geben sie es ab!

Natürlich hören auch wir immer wieder von Fällen, in denen Unerfahrene erfolgreich ein Wildtier aufgezogen haben. Das ist dann aber reines Glück und mit einem großen und unnötigen Risiko für das Tier verbunden - und ob es draußen dann auch Überlebenschancen hat, kann man im Nachhinein nicht mehr beurteilen.

Sogar wir versierten Pflegestellen wagen uns nur unter professioneller und engmaschiger Anleitung an die Aufzucht anderer Tierarten, sollte das mal nötig sein! Die Aufzuchtstellen sind untereinander gut vernetzt. Es lohnt sich also auch immer, wegen hilfebedürftigen Wildtieren anzufragen, auf die der Angefragte nicht spezialisiert ist. Oft können diese Tiere dann trotzdem schnell an bekannte, versierte Stellen weitergeleitet werden.
Leider gibt es immer wieder Leute, die es entgegen der oben genannten Argumente TROTZDEM selber versuchen wollen! Erst wenn dann gar nichts mehr geht, wenden sie sich hilfesuchend an uns, in der Hoffnung, das wir all die verpassten Chancen für das Tier wieder „ausbügeln“ und es noch retten können. Diese Übergaben sind meist sehr emotional und dramatisch. Jedes Jahr wieder. Mehrfach. In 99% dieser Fälle kommt unsere Hilfe zu spät!



(Quelle Text und Bild: de Kattekers - die Eichhörnchenretter,
https://www.facebook.com/deKattekers/ )

Wir nutzen Cookies auf unserer Website um diese laufend für Sie zu verbessern. Mehr erfahren